Das Netzwerktreffen fand am 29. November in Heidelberg statt. Zwölf Netzwerkmitglieder, Fachleute und Interessierte haben daran teilgenommen.
Am Freitag 28. November bestand die Möglichkeit zur Teilnahme am Fachtag „Gewalterfahrungen von Jungen und Männern und die Folgen für ihre Gesundheit“, einer Kooperationsveranstaltung des Netzwerks Jungen- und Männergesundheit mit dem Heidelberger Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, der Stiftung Männergesundheit, der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz, dem Kompetenzzentrum Jungen- und Männergesundheit Baden-Württemberg und männer.bw.
Beim anschließenden „Get together“ mit Referierenden und Mitgliedern des Netzwerks gab es Gelegenheit für Austausch und Kennenlernen.
Das Netzwerktreffen startete am Sonnabendvormittag in der Bibliothek des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg. Nach einer Vorstellungsrunde der Teilnehmenden gab es Informationen und Impulse aus aktuellen Projekten im Bereich der Jungen- und Männergesundheit.
Den Anfang machte Terje Lange, der den Arbeitskreis Jungen*- und Männer*gesundheit und weitere Aktivitäten in Stuttgart vorstellte.
Der 2022 gegründete Arbeitskreis verfolgt das Ziel, geschlechtsspezifische Gesundheitsthemen für Jungen* und Männer* in Stuttgart nachhaltig zu vernetzen, weiterzuentwickeln und fachlich zu stärken. Im Rahmen der kommunalen Chancengleichheitspolitik nimmt er Jungen* und Männer* in allen Lebensphasen in den Blick, mit besonderem Fokus auf sozial benachteiligte, von Armut bedrohte sowie bildungsferne Gruppen. Eine intersektionale Perspektive – einschließlich der Berücksichtigung von Rassismus als gesundheitlichem Einflussfaktor – bildet dabei einen zentralen Ansatz. Die erarbeiteten Erkenntnisse und Empfehlungen fließen zudem in die Stuttgarter Gesundheitskonferenz ein.
Weitere Details im Grundlagenpapier des AK. Folgende Aktivitäten wurden außerdem vorgestellt:
- Interner „Stuttgarter Männertag“ für Beschäftigte der Landeshauptstadt Stuttgart
- Stuttgarter „Spielzimmer auf Zeit“ für getrenntlebende Eltern, die keine Wohnung in Stuttgart haben und dort Zeit mit ihren Kindern verbringen können
- Gruppe für getrenntlebende Väter in Stuttgart
- Sensibilisierungskampagne „Vielfältige Männlichkeiten“ u.a. mit der Bierdeckelaktion „Dreh das mal um“
Im Anschluss stellten Julian Stache und Philipp Hausmann die Entstehungsgeschichte und den Inhalt ihres Podcasts „Schwanzegal, aber Hodenwichtig“ vor. Nachzulesen und zu hören hier: https://www.schwanzegal-aber-hodenwichtig.de/
Gunter Neubauer vom Sozialwissenschaftlichen Institut Tübingen (SOWIT) berichtete im Anschluss über das Ausbildungsprojekt HelpMen Train the Trainer.
Das Projekt zielt darauf ab, die gesundheitliche Lage von Männern durch bessere gesundheitliche Grundbildung zu verbessern. Dazu sollen Multiplikator:innen sensibilisiert und qualifiziert werden, um ein speziell entwickeltes Ausbildungskonzept zur Gesundheitsbildung von Männern in ihrer Praxis umzusetzen. Dieses ist frei zugänglich auf einer eigenen Plattform mit allgemeinverständlichen Einführungstexten, Dos und Don’ts sowie detaillierten Methodenvorschlägen. Siehe: https://www.elearning-politik.net/moodle39/course/view.php?id=1264
Christoph Schwamm vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Heidelberg bereicherte das Treffen mit zwei Anschauungsobjekten aus der medizinhistorischen Sammlung des Instituts – dem „Erlanger Apparat“ und einem anatomischen Atlas, Nachdruck von Vesalius‘ De humani corporis fabrica von 1543.
Der „Erlanger Apparat“ war ein in der Universitätsklinik Erlangen entwickeltes Gerät zur Behandlung von sogenannten Kriegszitterern – Soldaten mit Traumafolgen oder Kriegsneurosen des Ersten Weltkriegs, auch als „Granatschock“ bezeichnet. Die Methode, die versuchte, psychische Leiden wie PTBS mittels Elektroschocks zu „heilen“, war umstritten und wird heute stark kritisiert.
Stefan Beier, ein Gründungsmitglied des Netzwerks, hatte daran gedacht, dass das Netzwerk am 7. November 2025 sein 20-jähriges Jubiläum hatte. Ein Grund zur Freude – und für einen Sekt.
Im Anschluss wurden folgende Netzwerkthemen besprochen:
- Der Webauftritt des Netzwerks ist jetzt werbefrei.
- Das bringt Kosten von ca. 90 Euro/Jahr mit sich. Es wurde vereinbart, diese zukünftig bei der Teilnahmegebühr für Fachtag/Netzwerktreffen einzukalkulieren.
- Wie weiter mit den Ergebnissen und Forderungen des 6. Männergesundheitsberichts der Stiftung Männergesundheit „Gewalterfahrungen von Jungen und Männern und Folgen für ihre Gesundheit“?
- Publikation der Abstracts in Deutsch und Englisch ist geplant
- Social-Media-Beiträge zu Berichtsinhalten durch die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM)
- Thema proaktiv platzieren, Interview-Anfragen bedienen
- Ergebnisse auf wissenschaftliche Kongresse und Fachtagungen bringen
- Wie geht’s weiter mit Aktionsformaten, die wir mit bedient haben, wie der Internationalen Männergesundheitswoche, dem internationalen Männertag, dem Tag der ungleichen Lebenserwartung?
- Männergesundheitswoche: noch kein offizielles Thema bekannt, in B-W werden vsl. die Themen Männerschuppen und Einsamkeit aufgegriffen, dazu auch die 1. Stuttgarter Männerwanderung und ein eigener Fachtag am 11.11. in Stuttgart
- Tag der ungleichen Lebenserwartung: in 2025 keine eigene Kampagne der Stiftung Männergesundheit, stattdessen Konzentration auf Publicity für den 6. Männergesundheitsbericht – 2026 noch offen
- Internationaler Männertag 19.11.: mittlerweile gut etabliert, wenn auch in gewisser Konkurrenz zum Weltmännertag am 03.11. – gut geeignet für eigene Aktionen und Veranstaltungen vor Ort
- Männergesundheit im Rahmen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
- Der unter „Qualität“ gelistete Fachbeirat des Männergesundheitsportals des BIÖG existiert de facto nicht mehr.
- Es wurde verabredet, dass sich Stefan Beier und Anne Starker (als gelistete Mitglieder) beim BIÖG melden und eine Löschung anregen. Sie wollen auch die anderen Mitglieder aus unseren Zusammenhängen darauf ansprechen.
- Fact-Sheets zur Männergesundheit
- Geplant und in Bearbeitung sind zwei Fact-Sheets zur „Teilnahme von Männern anFrüherkennungsuntersuchungen“ und zur „Lebenserwartungsdifferenz zwischen Männern und Frauen“, die in Zusammenarbeit von Gunter Neubauer, Philipp Hausmann, Juliane Rahl und Anne Starker weiter ausgearbeitet und im Lauf des ersten Halbjahrs 2026 fertiggestellt werden sollen.
Das nächste Netzwerktreffen ist für das Frühjahr 2027 in Sachsen geplant, Ort und Zeit werden rechtzeitig bekannt gegeben. In die Vorbereitung steigen Torsten Siegemund und Stefan Beier mit ein. Für die Koordination haben sich Gunter Neubauer, Juliane Rahl und Anne Starker gemeldet. Weitere Unterstützer:innen aus dem Netzwerk sind herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen.
Allen Beteiligten und dem Vorbereitungsteam ein herzlicher Dank!
Protokoll: Anne Starker